**So mache ich es** -   Neue Tipps für Auflageschützen mit dem Gewehr

Liebe Sportkameraden,

wer bisher diese Reihe im Brandenburger Sportschützen verfolgt hat und wer mit großem Enthusiasmus diese Art des Sportschießens verfolgt, der wird erkannt haben, daß das Auflageschießen eine durchaus ernst zu nehmende, technisch schwierige, anspruchsvolle Disziplin ist. In den vergangenen Folgen hatte ich über Technik und Ausrüstung gesprochen . Ich möchte heute tiefer auf einige Bereiche eingehen und hoffe, daß sie dazu beitragen können, diese Disziplin weiter zu entwickeln. Dabei wird es sich nicht vermeiden lassen, Wiederholungen mit einzubauen, weil diese Sportart sehr komplex ist und alles oft mehrfach verinnerlicht werden muß.

Bedenken Sie, daß eine gute Vorbereitung eines Trainings oder Wettkampfes bereits die halbe Miete ist. Bereiten Sie das Material vor und durchdenken Sie alle Eventualitäten im Rahmen einer mentalen Vorbereitung, dann werden Sie vor Überraschungen geschützt sein. Nachdem Sie einen sichern Stand eingenommen haben und die Höhe der Auflage exakt stimmt ,beginnen Sie mit dem Probeschießen. In Vorbereitung atmen Sie mehrfach ein und aus und entspannen vor allem die Schulter und die Abzugshand. Die Entspannung gelingt besser, wenn Sie wie am Feierabend „abseufzen“ (entspannt ausatmen). Durch die letzte Ausatmung senkt sich der Körper etwas und das Gewehr hebt sich ohne Kraft ins Ziel. Dulden Sie dabei keine Kompromisse und ziehen Sie vor allem „unbewußt“ ab.

Nachdem Sie ein optimales Zielbild erstellt haben, beginnen Sie, den Druck auf den Abzug zu erhöhen. Richten Sie Ihre gesamte Aufmerksamkeit jetzt nur noch auf das Ziel und achten Sie auf einen gleichmäßigen exakten Lichtspalt an der Scheibe. Treten Schwankungen auf, haben Sie Mut zum absetzen. Schwankungen sind immer „hausgemacht“ und kommen aus einer verspannten Körperhaltung. Zwingen Sie nie die Waffe durch Kraft ins Ziel, arbeiten Sie mit dem verdrehen der Füße oder setzen Sie die Schaftkappe anders ein. Atmen Sie ruhig und gleichmäßig über das Zwerchfell und denken Sie nur an diesen erfolgreichen Schuß in die 10. Beobachten Sie keine anderen Schützen, zählen Sie nicht vorher Ihre Ringe, stellen Sie keine Prognosen über Ringzahl und Platzierungen auf. Jeder einzelne Schuß ist ein Wettkampf für sich. Trauern Sie keinem schlechten Schuß nach und freuen Sie sich nicht allzusehr über eine gute „10“. Kämpfen Sie bis zum Ende des Wettkampfes.

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So mache ich es !!

Beim Ladevorgang bereits tief atmen und eine Körperentspannung vornehmen. Das Gewehr exakt, immer auf die gleiche Stelle der Auflage legen. Die Füße stehen immer gleichmäßig   (manche Schützen zeichnen mit Kreide die Fußstellung auf). Legen Sie das Kinn immer auf die gleiche Stelle der Schaftkappe, die Abzugshand und den Finger immer in der gleichen Position. Schließen Sie dann kurz die Augen! Atmen Sie aus und beobachten, wo Sie im Ziel stehen. Die eventuelle Korrektur erfolgt immer nur in den Beinen, der Körper soll nicht verdreht werden. Wenn Sie die Augen öffnen und mit ihnen kurz „winkern“, sehen Sie ein „Superzielbild“!

Indem ich dieses Bild fixiere beginne ich mit den „drücken -ja quetschen“, ohne dass sich das Zielbild verschlechtert. Unbewußt löst sich der Schuß - und ich halte zur Kontrolle 2-3 Sekunden nach. Es war eine „10“! Das wars!! Jetzt auf zur neuen „10“! Im gleichen Rhythmus geht es weiter, jede Serie bei mir in 8 Minuten. Immer die gleiche Technik , immer das gleiche Ziel, immer der neue Mut und die Zuversicht! Glauben Sie nun nicht, daß auch bei mir immer alles klappt - wir sind doch alle Menschen mit Gefühlen und Fehlern - Gott sei dank! Aber jede 9 ist eine 9 zuviel!!

Stellen Sie sich anspruchsvolle, aber erreichbare Leistungsziele ! Arbeiten Sie kontinuierlich und trainieren Sie alle Facetten und Einzelheiten dieser Disziplin. Ich wünsche Ihnen „Gut Schuß“ und Freude bei unserem schönen Sport.

Bodo A. Vötisch (Sportlehrer / Trainer der Sportschützen Glienicke)